Chronik Villa Lindenhof


Im Altenberger Zehntverzeichnis von 1488 ist der "Hof zur Linden" bereits aufgeführt. Die Namenzusammensetzung des ehemaligen "Guedt an der Heyden" 1412 und des Familiennamen "Kirsch" leitet die Ortsbezeichnung Kirschheide ab.

Der Lindenhof (heute Villa Lindenhof) wurde im Jahre 1771 als Fachwerkhaus im Rokokostil auf der Kirschheide erbaut und trug zunächst die Bezeichnung „Blaue Seite der Kirschheide“, denn auf dem Schiefer spielgelte sich das Sonnenlicht bläulich und gab der Villa deshalb ihren Namen.

Das der heutigen Villa Lindenhof gegenüberliegende Gebäude (jetzt Standesamt Haus Kirschheide) war als „Weiße Seite der Kirschheide“ bekannt.

1898 wird der Lindenhof von der 1897 gegründeten, hier damals ansässigen Solingen-Dortmunder Vereinsbrauerei Höhscheid, als Ausflugs- und Wirtschaftslokal übernommen.

1908 fiel die blaue Seite der  Kirschheide einem Brand zum Opfer und nur die alten Gewölbekeller blieben erhalten.

 

1909 wurde nach den alten Architektenplänen an gleicher Stelle die Villa wieder aufgebaut und noch im selben Jahr erfolgte die Wiedereröffnung des Restaurant Lindenhof mit großem Gesellschaftssaal und Bierausschank durch die Brauerei.   

 

Nach der Aufgabe der Brauerei 1914 stand das Gebäude mehrere Jahre leer und wurde schließlich durch die englische Besatzung nach dem ersten Weltkrieg okkupiert.

Nach deren Abzug übernahm die Stadt das Gebäude. Zunächst bezog das Lebensmittelamt, dann das Steueramt die Villa Lindenhof und im Dachgeschoss wurden die Räumlichkeiten für Berufsschulklassen genutzt.

In den Zwanziger Jahren erhielt die Villa Lindenhof ihren Glanz zurück und wurde wieder Ausflugsgaststätte, die weit über den Stadtteil Solingen-Höhscheid hinaus Gäste anzog.

Ihren Niedergang erlebte die Villa Lindenhof als Gasthaus, mit der Wirtschaftskrise Anfang der Dreißiger Jahre.

Wie die Villa Lindenhof in der Zeit von 1933 bis 1945  genutzt oder benutzt wurde, ist nicht bekannt.

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft  jedenfalls, diente die Villa Lindenhof als Flüchtlings- und Jugendwohnheim. Die für das Jugendheim nicht benötigten Räume wurden zunächst als Künstlerwohnheim in Aussicht genommen, dann aber lt. Beschluss 1947 der Ev. Kirchengemeinde für einen Kindergarten zur Verfügung gestellt.

1960 stimmte der Solinger Stadtrat den Plänen des Hochbauamtes zum Umbau der Villa Lindenhof für die Mütterschule zu, die seit 1958 in den schon seit Beginn ihrer Entstehung, in den bescheidenen und zu engen Räumen der Wupperstraße (Coppelstift*), gemeinsam mit der städtischen Erziehungsberatungsstelle, beherbergt war.

Drei Jahre später, am 15. März 1963 konnte die umgebaute Villa Lindenhof als Mütterschule, durch Oberbürgermeister Otto Voos eingeweiht werden und gewann zunehmend an Bedeutung und Bekanntheit in Solingen.

Nicht nur Mütter, auch Väter belegten die zahlreichen Kurse in der Villa Lindenhof.

Mittlerweile fanden nicht nur Vorbereitungskurse für werdende Mütter, sondern auch eine Vielzahl von Familienangeboten statt, so dass der Name Mütterschule im politischen Raum diskutiert und um den Begriff Familien-Institut erweitert wurde.
Der Andrang, Kurse zu besuchen und sich fortzubilden, war riesig und wuchs von Jahr zu Jahr.

Die 1968 geplante Mitteltangente zwischen Neuenhofer Str. und Wiener Str. sollte über das Grundstück der Villa Lindenhof erfolgen, was einen Abriss des Gebäudes zur Folge gehabt hätte. Diese Planung wurde dann erfreulicherweise aufgegeben.

1971 standen 1.000 Interessenten auf Wartelisten, um die Kurse in der Villa Lindenhof besuchen zu können.

In den siebziger Jahren kam die Vorschulerziehung hinzu und weitere Kursangebote wurden dankend angenommen.

1972 diskutierte die Politik erstmals, ob die mittlerweile als Familienbildungsstätte deklarierte Villa Lindenhof nicht aus Kostenersparnis  in die Volkshochschule integriert werden müsse.
Doch die Mitarbeiterinnen hatten Glück. Die Politik machte einen Rückzieher und gestand der damaligen Leiterin Christine Keller noch 2 hauptamtliche Teilzeitkräfte zu, so dass die Familienbildungsstätte in der Villa Lindenhof weiter wachsen konnte.
Wie viele andere beteiligte sich auch das Landesjugendheim Halfeshof mit einer Schülergruppe an Kochkursen in der Villa Lindenhof.
Durch die immer größer werdende Nachfrage nach Kursangeboten (1975 waren bereits 2700 Solingerinnen und Solinger auf der Warteliste)  entstand eine Filiale der Familienbildungsstätte in den Räumlichkeiten der ehemaligen „Drogenberatung anonym“ auf der Neuenhofer Straße 46.
Die Kursangebote erweiterten sich und mit Beginn der achtziger Jahre wurden über 12.000 Unterrichtsstunden in der Villa Lindenhof und ihrer Filiale gegeben.
Die Haushaltsprobleme der Stadt Solingen ließen in den neunziger Jahren  immer wieder Debatten über die Schließung der Familienbildungsstätte in der Villa Lindenhof  entfachen.

Schließlich verließ die Familienbildungsstätte die Räumlichkeiten der Villa Lindenhof 2009 und zog in das Gebäude der Volkshochschule am Brikenweiher.

Die Villa Lindenhof stand leer und das alte denkmalgeschützte Gebäude suchte einen neuen Nutzer.

* Die Entwicklung der Villa Lindenhof verdankt sie auch der jüdischen Fabrikantenfamilie Coppel, die  bis auf wenige Mitglieder von den Nationalsozialisten im KZ Theresienstadt und in Ravensbrück ermordet wurden.
Gustav Coppel spendete 1912 der Stadt Solingen die beachtliche Summe von  100.000 Mark - damals ein Sechstel des städtischen Haushaltsvolumens - und schaffte damit die Basis für das an der Wupperstraße entstandene Erholungsheim für Erwachsene, Säuglingsheim sowie Beratungsstelle für Tuberkulose-, Alkohol- und Krebskranke.
Eingeweiht wurde das sogenannte Coppelstift vom Sohn des Spenders, Dr. Alexander Coppel.
1918 übernahm die Stadt Solingen die Räumlichkeiten an der Wupperstraße.
1953 entstand in den doch beengten Räumlichkeiten des Coppelstiftes die städtische Erziehungsberatungsstelle und ab 1958 beherbergte die Stadt Solingen zusätzlich dort ihre Mütterschule. 1963 zog die Mütterschule um, in die Villa Lindenhof…